In der aktuellen Konstellation soll es wohl nicht weitergehen. Der SV Werder Bremen muss sich für die Nummer eins der Zukunft entscheiden: Michael Zetterer oder Mio Backhaus?
Abgang – oder Verlängerung?
Kürzlich stellte sich die Frage in Bremen ja schon einmal, wenn auch nur relativ kurzfristig: Wird Mio Backhaus für Michael Zetterer ins Tor rücken? Vor drei Wochen, als die Nummer eins des SV Werder krankheitsbedingt für die Partie gegen den VfL Wolfsburg auszufallen drohte, hätte das 20-jährige Torwarttalent zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz kommen können. Vielleicht besser sogar kommen sollen?
Denn Zetterer leistete sich beim Gegentreffer zum 0:1 ja nicht den ersten Fehler in diesem Kalenderjahr, nahm die 1:2-Niederlage letztlich auch intern auf seine Kappe, wie er in der Zwischenzeit verriet. Genauso übrigens wie, dass seine Entscheidung, gegen Wolfsburg offenbar nicht bei vollen Kräften auf dem Platz gestanden zu haben, „wahrscheinlich nicht sehr schlau“ gewesen sei: „Das war eine Erfahrung, die ich jetzt gemacht habe“, erklärte der 29-Jährige.
Neue Konstellation im Sommer zu erwarten
Generell macht Zetterer in seiner ersten kompletten Spielzeit als Bremer Nummer eins aktuell weiterhin eine schwierige Phase durch. Auf seine beste Saisonleistung in der Woche nach dem Wolfsburg-Spiel beim 2:0-Sieg in Leverkusen (kicker-Note 2) folgte wieder ein unsicherer Auftritt gegen Gladbach (2:4, kicker-Note 4,5), der erneut den Eindruck bestätigte, den auch Werder-Torwarttrainer Christian Vander zuletzt gegenüber dem kicker ausformulierte: „Es fehlen die Partien, wo man dann sagt: ‚Die Punkte hat er gerettet.'“
Drängt sich die Frage nach Backhaus alsbald also erneut auf am Osterdeich? Erst einmal nicht, Zetterer wird wie gehabt beim kommenden Spiel in Kiel im Tor stehen. Doch Richtung Sommer wird sie definitiv neu zu beantworten sein: Dass Werder über die Saison hinaus in der aktuellen Torwart-Konstellation weitermacht, gilt nach kicker-Informationen als äußerst unwahrscheinlich.
Backhaus‘ Wertversprechen steigt nur mit Einsätzen
Der Verein wird eine Entscheidung treffen müssen, wem die Zukunft als Nummer eins gehört: Zetterer, der bereits 2015 nach Bremen wechselte und einen langen von vielen Rückschlägen geprägten Weg zum Stammkeeper zurücklegte, seinen Vertrag im vergangenen Jahr verlängerte und seither auch mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wurde. Oder Backhaus, der dieser Tage einmal mehr bei der deutschen U-20-Nationalmannschaft überzeugte, den 1:0-Sieg gegen Tschechien sicherte und dem immer wieder großes Interesse auf dem internationalen Torwartmarkt nachgesagt wird.
Das Wertversprechen des noch bis 2027 unter Vertrag stehenden Keepers dürfte allerdings nur dann weiter steigen, wenn Backhaus auch zum Einsatz kommt – wie in der vergangenen Saison als Leihspieler und Stammkeeper in der Eredivisie beim FC Volendam. Im kicker-Interview vor rund einem Jahr erklärte er da bereits durchaus selbstbewusst: „Mein Ziel, irgendwann die Nummer eins zu werden.“
Wäre Werder bereit für den Atubolu-Weg?
Noch ist er jedoch ohne jeden Pflichtspieleinsatz für die Profis – was zugleich ein sportliches Risiko bedeuten könnte. Wären die Bremer etwa bereit, einen ähnlichen Weg zu gehen, wie ihn der SC Freiburg mit dem ebenfalls unerfahrenen Noah Atubolu in der Vorsaison eingeschlagen hat? Sind sie bereit, die angedachte Verjüngung des Kaders auch auf dieser Position voranzutreiben?
Backhaus jedenfalls soll die Backup-Rolle perspektivisch nicht mehr reichen. Seine persönliche Zukunft bei seinem Jugendklub (seit 2018) dürfte dann auch von dieser tragenden Werder-Entscheidung abhängen. Fällt sie gegen ihn aus, wäre ein Abgang denkbar – fällt sie für ihn aus, wäre das angesichts der überschaubaren Restlaufzeit vermutlich mit einer weiteren Vertragsverlängerung verbunden. Wann positioniert sich Werder? Noch sei in dieser Angelegenheit nichts entschieden, heißt es.

