Sein Wechsel nach Stuttgart führte ihn in eine Sackgasse, die Leihe nach Augsburg führte nicht daraus heraus. Doch der FCA ist aber überzeugt von Yannik Keitel und leiht den 26-Jährigen erneut aus.
Augsburg leiht den Mittelfeldmann erneut aus
Es ist gar nicht so lange her, da war er noch ein absoluter Wunschspieler der Stuttgarter. Ein gestandener Profi, mit 23 im besten Alter, bundesligaerfahren, U-21-Nationalspieler, defensiv flexibel einsetzbar, kurzum ein Mann mit Zukunft. Doch der SC Freiburg lehnt im Sommer 2023 rigoros einen Verkauf von Yannik Keitel an den VfB Stuttgart ab. Trotz eines nur noch zwölf Monate gültigen Arbeitspapiers und einer anschließenden Ablösefreiheit.
Der in Breisach vor den Toren Freiburgs geborene Defensivmann sei einfach zu wichtig. Auf dem Rasen, in der Kabine, im Kader der Mannschaft aus dem Breisgau überhaupt. So systemrelevant, dass man den heute 26-Jährigen auch im Winter nicht zum Landesrivalen ziehen lässt. Selbst für eine ordentliche sechsstellige Ablöse nicht, die geboten wird.
Die erste Begeisterung verflüchtigt sich schnell
Doch die Rechnung geht nicht auf. Und heute ist nichts, wie es mal hätte werden sollen. Keitel wechselt im Juli 2024 nach 13 Jahren im Trikot der Freiburger als vielversprechender Neuzugang und mit Startplatz-Perspektiven an den Neckar. Doch die erste Begeisterung verflüchtigt sich wie ein billiges Parfum. Der Jungstar, der mit einem Platz im Mittelfeldzentrum des VfB flirtet, stellt sich als flüchtige Bekanntschaft heraus. Zur Seite gewischt in der Bildergalerie aller Mitspieler in einer national wie international erfolgreichen Mannschaft.
Die Zeit des Badeners im VfB-Trikot ist geprägt von dieser außergewöhnlichen Konkurrenzsituation und obendrein belastet vom großen Verletzungspech, das Keitel hartnäckiger verfolgt als er seine Gegenspieler. Angelo Stiller und Kapitän Atakan Karazor blockieren die Wunschposition des Neuzugangs auf der Doppelsechs. Alternativ gibt es in der Innenverteidigung für einen möglichen „Quereinstieg“ an „Abwehr-Jeff“ Chabot und dessen wechselnden Mitstreitern ebenfalls kein Vorbeikommen.
„Mir ging es darum, aus dem ‚Behüteten‘ mal herauszugehen und mich einer neuen Herausforderung zu stellen.“ (Yannik Keitel zu seinem Wechsel zum VfB)
Dazu gesellen sich wiederkehrende Blessuren. Mal zwickt der Muskel, mal sind es die Adduktoren, mal das Knie. Der Optimismus, mit dem VfB die richtige Entscheidung getroffen zu haben, übersteht beim Spieler dennoch erst einmal alle Anlaufschwierigkeiten. „Für mich war schon immer klar, dass ich irgendwann diesen Schritt machen möchte. Raus aus der gewohnten Umgebung, rein in ein neues Abenteuer“, erklärt Keitel nach den ersten durchwachsenen Monaten im klubeigenen Stadionmagazin. „Mir ging es darum, aus dem ‚Behüteten‘ mal herauszugehen und mich einer neuen Herausforderung zu stellen. Ich denke, dass man sich dadurch nicht nur als Fußballer weiterentwickelt, sondern auch als Mensch reifen kann.“
Doch die erhoffte Entwicklung bleibt aus. Lediglich 18 Pflichtspiele, davon elf in der Bundesliga und vier in der Champions League kann er für sich im ersten Jahr verbuchen. Im folgenden Jahr kommt keine einzige Partie mehr hinzu. Das Einzige, was mit der Zeit reift, ist die Erkenntnis, sich erneut verändern zu müssen. Eine Einschätzung, die sich auch bei den VfB-Verantwortlichen um Cheftrainer Sebastian Hoeneß und Fabian Wohlgemuth durchsetzt. Der Sportvorstand, der den 26-Jährigen als „Spieler mit einer vorbildlichen Mentalität und einer absolut professionellen Einstellung“ bezeichnet, gibt seine Zustimmung für einen Neustart in Augsburg.
Trotz Verletzungen ist der FCA von Keitel überzeugt
Dort findet Keitel allerdings ebenfalls nicht zu alter Wertigkeit und Wichtigkeit zurück. Sechs Bundesligaspiele in vier Monaten, davon nur zwei in der Startformation, bleiben bei den Fans weniger in Erinnerung als die Kniebeschwerden, die den Spieler die meiste Zeit in den Krankenstand zwingen.
Bei den Verantwortlichen hat der Ex-Freiburger dennoch einen positiven Eindruck hinterlassen. Man ist menschlich, wie sportlich vom Badener überzeugt und strebt frühzeitig eine Ausdehnung der Leihe des Stuttgarter Defensivmanns an – und findet schnell bei Spieler und Klub Gehör. Keitel bleibt für eine weitere, diesmal komplette Spielzeit beim FCA. Für eine an Einsätzen gekoppelte Leihgebühr im sechsstelligen Bereich, inklusive einer Kaufoption die unter einer Million Euro liegt.
Der VfB hat längst den nächsten Wunschspieler verpflichtet. Mit Grischa Prömel, der ablösefrei von der TSG Hoffenheim kommt. Der gebürtige Stuttgarter soll den Konkurrenzkampf im Mittelfeldzentrum des Traditionsklubs auf ein neues Niveau heben. Lediglich Stiller hat seinen Platz sicher. Kapitän Karazor oder auch „Ex-Madridista“ Chema werden mächtig strampeln müssen.

