An den richtigen Worten mangelt es nicht – doch kann der SV Werder Bremen im Nordderby auch jene Mentalität abrufen, die Daniel Thioune fordert?
Stage-Entscheidung steht aus
Wie wichtig dieses Nordderby für den SV Werder Bremen wirklich ist, insbesondere in der aktuell prekären Situation, dazu wurde in den vergangenen Tagen bereits vieles gesagt – und daran knüpfte Cheftrainer Daniel Thioune auch am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den Hamburger SV noch einmal an.
Verstärkt wurde dieser Eindruck indes nicht nur dadurch, was der 51-Jährige alles von seiner Mannschaft am Samstagnachmittag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) fordert, sondern auch, was man in Bremen für ein Comeback von Jens Stage bereit ist in Kauf zu nehmen.
Der dänische Mittelfeldspieler soll am Freitag ins Abschlusstraining zurückkehren: Im Anschluss darf dann mit einer Entscheidung zu rechnen sein, ob er im Kader stehen und in einem solchen Fall wohl ebenfalls in der Startelf auflaufen wird. Auch wenn das mit einem gewissen Risiko verbunden wäre …
Was ist schon normal im Nordderby?
Die Gesundheit des Spielers stehe dabei in Absprache mit der medizinischen Abteilung selbstredend im Vordergrund, betonte Thioune, und doch sei nun inzwischen der Zeitpunkt gekommen, „in dem man vielleicht ein bisschen mutiger sein kann“, was die Rückkehr Stages anbelangt.
Nicht nur, dass der Spieler selbst mit seinen 29 Jahren Chancen und Gefahren eines solchen Einsatzes gut genug abschätzen könne, auch der Werder-Coach ist bereit, beim Bremer Leader andere Maßstäbe anzusetzen als sonst: „In einer normalen Welt würde ich einen Spieler schon regelmäßig im Training erwarten.“
Aber was ist schon normal vor dieser Partie gegen den HSV, die für beide Teams auch aufgrund des Restprogramms zu so etwas wie der vorläufig wichtigsten Partie der Saison wird? Thioune sprach von „eigenen Gesetzen“, die so ein Nordderby mit sich bringt und dass es da „sehr, sehr viel zu verdienen gibt“. Dass es auch sehr, sehr viel zu verlieren gibt, erwähnte er nicht.
„Das Spiel braucht das Optimum – auch von mir“
Und beim Rückblick aufs Duell der Hinrunde schwingt ja auch immer noch mit, dass Werder bei der 2:3-Niederlage lange Zeit Grundlegendes hatte vermissen lassen, damals noch unter Ex-Coach Horst Steffen, dessen spätere Entlassung auch darin einen Ursprung hatte, wie es heißt.
Thioune will es nun auch von der emotionalen Herangehensweise besser machen als sein Vorgänger, sagte: „Das Spiel ist nicht gleichbedeutend wie alle anderen. Das Spiel braucht das Optimum – auch von mir.“ Worte des Trainers, die richtig klingen. Nur kann seine Mannschaft die damit verknüpfte Mentalität auch abrufen?
Thioune und das „eine oder andere Bömbchen“
Zumal auf der anderen Seite mit Merlin Polzin ein Freund sowie sein ehemaliger Co-Trainer wartet, der Thioune genauso gut kennt wie umgekehrt. Wie geht man so eine Konstellation inhaltlich an, wenn es kaum Überraschungen bei der Vorbereitung zu geben scheint?
„Es geht nicht darum, dass wir uns in irgendeiner Form challengen wollen, dass wir glauben, der eine ist besser als der andere oder der hat nochmal taktisch eine viel bessere Idee“, erläuterte der Werder-Coach: „Für mich geht es einzig und allein darum, dass wir das Fußballspiel gewinnen – und da werde ich mich auch nicht neu erfinden.“
Stattdessen hält Thioune neben „einfachen Inhalten“ eher auch „die Energie, die Dynamik“ für ausschlaggebend – und setzt dabei insbesondere auf den Heimvorteil: „Ich weiß, dass dieses Stadion nur darauf wartet, entzündet zu werden.“ Und er weiß, dass auch Polzin versuchen werde, seine Hamburger Mannschaft in dieser Hinsicht auf Temperatur zu bringen.
Auf jener „Ebene der Emotionalität“ jedenfalls werde es auch der Bremer Trainer „nicht auslassen“, auf seine Spieler einzuwirken: „Wir werden sicherlich noch mal das eine oder andere Bömbchen an die Jungs verteilen, damit sie mit einer gewissen Schärfe ins Spiel gehen …“ Der Rest liegt dann bei ihnen.

