Gerade erst hatte Jonas Wind seinen ersten Saisontreffer erzielt, schon ist der Stürmer wieder verletzt. Wie ersetzt der VfL Wolfsburg den Dänen – jetzt und nach dieser Saison, wenn er den Klub verlässt?
Wolfsburg und die Muskelverletzungen
Die Signale, die Jonas Wind nach einem Ausfallschritt im Training sendete, waren schon eindeutig. Frustriert humpelte der Stürmer am Mittwoch in die Kabine, die Diagnose brachte schließlich die bittere Klarheit: Wieder hat sich der Däne eine Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen, womöglich wird Wind nie mehr für den VfL Wolfsburg auflaufen. Auch wenn Trainer Dieter Hecking seinen Stürmer noch nicht vollends abschreiben mag. „Er fällt jetzt wahrscheinlich drei, vier Wochen aus. Das heißt, wir haben noch Spiele, und ich hoffe, dass Jonas auf jeden Fall noch mal zurückkommt.“
In Leverkusen (3:6) hatte Wind, der lange wegen einer Muskelverletzung mit Sehnenbeteiligung gefehlt hatte, seinen ersten Saisontreffer erzielt. Die Hoffnung war groß, dass der 27-Jährige zum wichtigen Faktor im Kampf um den Klassenerhalt wird. Nun dieser Rückschlag für den Spieler und den VfL. Eine Verletzung, die viele Fragen aufwirft.
Zahlreiche Muskelverletzungen seit Saisonbeginn
Kurzfristig, wie Wind am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) gegen Eintracht Frankfurt zu ersetzen ist, anschließend bedarf es einer gründlichen Analyse dieser Saison, in der seit Saisonbeginn in unschöner Regelmäßigkeit (u. a. Vavro, Jenz, Fischer, Wind und Paredes) mitunter schwerwiegende Muskelverletzungen auftraten. Der von Beginn an umstrittene Christian Clarup, der erst im vergangenen Sommer verpflichtete Head of Performance, wurde kürzlich schon wieder entlassen.
Ohne Wind im Sturm, das bedeutet für Hecking nicht automatisch, dass Dzenan Pejcinovic in die Startelf rückt. Gleichwohl ist der U-21-Nationalspieler, der in dieser Saison bereits fünfmal traf, eine Option. „Dzenan hat bewiesen, dass er das gut spielen kann“, sagt der Trainer. „Wir haben noch ein, zwei andere Optionen, die ich im Kopf durchspiele. Vielleicht gibt es auch etwas Überraschendes.“
Shiogai im Sturm? „Den muss man auf dem Zettel haben“
Eine „Überraschung“ könnte durchaus Kento Shiogai sein. Der Japaner kam im Winter für neun Millionen Euro von NEC Nijmegen gekommen, erzielte in acht Spielen ein Tor, stand aber auch erst zweimal in der Startelf. Hecking ist angetan von dem frischgebackenen A-Nationalspieler, erkennt indes auch, dass die Integration des 21-Jährigen noch nicht weit vorangeschritten ist. Aber: „Kento bringt wahnsinnig viel mit, was Schnelligkeit und Körperlichkeit angeht. Er ist definitiv jemand, den man für Samstag auf dem Zettel haben muss, weil er sehr viel geben kann.“
„Wir brauchen jetzt das Ergebnis.“ (VfL-Trainer Dieter Hecking fordert einen Sieg gegen Eintracht Frankfurt)
Der Japaner könnte sowohl in der Spitze als auch dahinter spielen, wenn Mohammed Amoura eine Position nach vorne rückt. Klar ist: Wolfsburg benötigt Tore und Punkte, schon ein Remis gegen Frankfurt wäre zu wenig. „Wir brauchen jetzt das Ergebnis“, betont Hecking. „Der Druck ist da, den können wir nicht wegreden. Wir müssen lernen, damit umzugehen.“
Angesichts von vier Punkten Rückstand auf den Relegationsrang muss der VfL ohnehin schon zweigleisig planen. Sportdirektor Pirmin Schwegler ist viel unterwegs, trifft sich mit Spielern, die im besten Fall ligaunabhängig kommen würden. Dabei muss er in jedem Fall auch einen Nachfolger für Stürmer Wind finden, dessen Vertrag endet und der den VfL im Sommer ablösefrei verlässt.
Gladbach, Hoffenheim, Wolfsburg? Tabakovics Zukunft ist offen
Ein Kandidat ist dabei nach kicker-Informationen Haris Tabakovic. Der Angreifer ist aktuell mit elf Treffern bester Torschütze in Mönchengladbach, die Zukunft bei der Borussia ist für den 31-Jährigen jedoch offen. Die Wolfsburger Bemühungen um den bosnischen Nationalstürmer, der sein Land gerade erst zur WM geschossen hat, sind noch, so heißt es, im Anfangsstadium, Tabakovic steht aber als potenzieller Torjäger für die 1. und 2. Liga auf der Liste. Einigen müsste sich Wolfsburg mit der TSG Hoffenheim, wo der Stürmer noch bis 2027 unter Vertrag steht, dem man aber wohl keine Steine in den Weg legen würde.

