Das Jahr 2025 war für Noah Atubolu sportlich unglücklich zu Ende gegangen. Seit dem Re-Start 2026 präsentiert sich der Freiburger Keeper aber in konstant starker Form. SC-Coach Julian Schuster lobt das Eigengewächs und spricht über dessen WM-Perspektiven.
Nach bitterem Jahresende und spektakulärem Beraterwechsel
Erst ein tückischer Fernschuss von Nathaniel Brown, dann direkt der Nachschuss von Jonathan Burkardt aus kurzer Distanz und wenig später noch ein freier Abschluss von Arnaud Kalimuendo im Strafraum – Noah Atubolu hielt am Sonntag mit drei starken Paraden zumindest bis zur Pause die defensive Freiburger Null in Frankfurt. Bei den beiden Gegentoren in der zweiten Hälfte, nach jeweils schwacher Verteidigungsleistung seiner Vorderleute, war der SC-Keeper machtlos. Danach hielt Atubolu aber erneut gut gegen Kalimuendo und verhinderte einen dritten Gegentreffer.
„Er war ein super Rückhalt, hat gut hinten raus gespielt. Ich finde, er hat es sehr gut gemacht und dann ist es unglücklich, dass wir die Tore bekommen haben“, sagte Bruno Ogbus nach dem 0:2 bei der Eintracht. Der Youngster hat seine durch Verletzungssorgen der Konkurrenz entstandene Chance genutzt und stand in diesem Kalenderjahr schon zum siebten Mal in der Freiburger Startelf. Als Verteidiger immer direkt vor dem drei Jahre älteren Atubolu, der bisher eine bemerkenswerte Bilanz in 2026 vorzuweisen hat.
Eindrucksvolle Konstanz und positive Ausreißer
Das alte Jahr 2025 war für den DFB-Keeper persönlich bitter zu Ende gegangen. Beim spektakulären 4:3-Sieg in Wolfsburg hatte Atubolu schwer gepatzt. Dieser Auftritt, gepaart mit einem Fangfehler vor dem Gegentor in Bologna (1:1) und unglücklichen Auftritten in Leverkusen (0:2) und München (2:6) sowie eher wenigen positiven Ausrufezeichen im ersten Saisonteil, führten unter anderem dazu, dass Atubolu im Winter in der kicker-Rangliste fehlte.
- Spektakulärer Beraterwechsel: So ist die Lage bei Atubolu (k+)
Im neuen Jahr gibt der talentierte Freiburger Schlussmann allerdings ein anderes Bild ab, geprägt von eindrucksvoller Konstanz und einigen Ausreißern – allerdings nur in positiver Hinsicht. In seinen elf Pflichtspieleinsätzen seit dem Re-Start wurde er nie schlechter als mit Note 3,0 bewertet – fünfmal besser. In Frankfurt gab es, wie schon beim 1:0-Sieg gegen Bremen, die kicker-Note 2,0.
Bisher kein negativer Einfluss durch Beraterwechsel und möglichen Abschied
„Das, was in Wolfsburg passiert ist, oder generell Spiele, in denen es nicht so läuft, das gehört mal dazu, vor allem in seinem Alter“, sagt Schuster im Rückblick auf Atubolus Fehlpass beim VfL in den Fuß des Gegners und erläutert: „Wir verlangen da ja auch viel im Aufbau. Klar, geht es da immer auch um eine Risikoabwägung, um eine Entscheidungsfindung.“ Schusters Zusammenfassung mündet in einem großen Kompliment für seinen Stammkeeper: „Das, was Atu generell mit dem Ball und gegen den Ball zeigt, ist für mich toll.“
Atubolu hat sich offenbar auch nicht von den Reaktionen auf seinen spektakulären Beraterwechsel Anfang Januar aus der Ruhe bringen lassen. Und auch nicht davon, dass im Sommer womöglich ein Abschied von seinem Heimatverein Freiburg bevorsteht, sein Vertrag läuft 2027 aus. Nicht zuletzt durch den Beraterwechsel ist klar, dass Atubolu nach Höherem strebt.
Auf Vereinsebene und natürlich auch in der Nationalmannschaft, wo er bisher zweimal dabei war, aber noch nicht spielen durfte. Idealerweise schafft er als Nummer drei schon den Sprung in den deutschen WM-Kader. Logisch, dass Teamkollege Ogbus für ihn Partei ergreift: „Ich finde, die ganze Saison macht er es schon top und ich würde es ihm wünschen, wenn er zur WM gehen kann.“
„Die sportliche Leistung ist natürlich die Voraussetzung. Die zeigt Atu und er ist ein Top-Typ.“ (Julian Schuster über Atubolus WM-Chancen)
Würde Schuster seine Nummer 1 mit meinem WM-Ticket ausstatten? „Das ist nicht meine Aufgabe“, wiegelt der SC-Coach zunächst mit einem Schmunzeln ab, gibt aber dann doch ein paar Gedanken dazu preis: „Wir haben in Deutschland auch auf der Torhüterposition viele Optionen. Es kommt dann immer darauf an, was willst du für eine Mannschaft haben, welche Typen willst du dabeihaben? Wie verhält sich ein dritter Torwart im Training und während der Spiele. Bei einem Turnier ist es ja noch wichtiger, gewisse Rollen zu leben.“
Es werde auch um solche Dinge gehen bei der finalen Entscheidung des Bundestrainers. „Die sportliche Leistung ist natürlich die Voraussetzung. Die zeigt Atu und er ist ein Top-Typ“, betont Schuster und hält dann doch ein kleines Plädoyer für das Freiburger Eigengewächs.

