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Ein Sieg mit „Push“-Effekt? Bayers überzeugender Erfolg mit Einschränkung

Gegen St. Pauli dominiert Bayer nach Belieben und lässt kaum Wünsche offen. Die Werkself erarbeitet sich damit neues Selbstvertrauen. Als Blaupause für die nächsten Wochen taugt das Spiel jedoch nur bedingt.

Mehr Tempo, Tiefe und Chancen – aber kein hohes Anlaufen vom Gegner

Dass Christian Kofane – der seit längerer Zeit auf ein Erfolgserlebnis wartende Stürmer – am Ende ebenfalls traf, fehlte vielleicht noch. Ansonsten aber ließ das 4:0 gegen St. Pauli nicht sonderlich viele Wünsche offen für jene, die es mit Bayer halten. Die Werkself habe ein „gutes Spiel“ gemacht, meinte Offensivallrounder Jonas Hofmann anschließend. Man sei zurück in der Erfolgsspur, „und ich glaube, ich brauche niemandem zu erzählen, dass es wichtig war, dass wir gewonnen und mit welcher Art und Weise wir es gemacht haben“.

Die Art und Weise nämlich war durchaus ansprechend, weil völlig anders als beim lahmen, enttäuschenden 1:1 in Mönchengladbach, als Bayer Dynamik, Tiefe und Kreativität im Zehnerraum fast gänzlich vermissen ließ. Schon zuvor in Frankfurt (3:1) und im Pokal gegen St. Pauli (3:0) war die Mannschaft von Trainer Kasper Hjulmand wenig durchschlagskräftig aufgetreten, hatte vergleichsweise wenige Chancen kreiert. Diesmal gelang das wieder deutlich besser.

Rolfes lobt – und Rückkehrer Maza überzeugt sofort

„Man hat mit dem Anpfiff gemerkt, dass wir nach vorn spielen, dass wir draufgehen, dass wir gut auf den zweiten Bällen waren und die Tiefe besser attackiert haben“, lobte Geschäftsführer Simon Rolfes – und resümierte richtigerweise, dass es vom Start weg „im Prinzip keine Frage war, wer als Sieger vom Platz gehen wird“. Zu souverän agierte die Werkself, zu effizient war sie gleich zu Beginn. Und zu wenig – das gehört zur ganzen Wahrheit – kam an diesem Samstagnachmittag vom Gegner.

Angetrieben von Aleix Garcia, dem wieder eingerückten Alejandro Grimaldo und Rückkehrer Ibrahim Maza, der einmal mehr seinen großen Wert für Bayer zwischen den Linien unter Beweis stellte, fand Hjulmands Mannschaft also immer wieder die Schnittstellen, ließ die Gäste zeitweise nach Belieben hinterherlaufen, war häufig sehr aufmerksam im Gegenpressing, bespielte den Zehnerraum oder brach über die Außen durch. Und kam zu Torchancen.

Hjulmand erhofft sich einen „Push“

Eine absurde Vielzahl an Möglichkeiten (xG-Wert von 1,58) sprang zwar nicht nicht heraus für die nach der Pause rotierende Werkself. Das 8:0-Chancenverhältnis zeigte allerdings zweierlei: Einerseits kreierte Bayer genug und mehr als zuletzt, andererseits ließen Edmond Tapsoba, Robert Andrich und Co. defensiv nichts Gravierendes zu. Leverkusen übernahm die Kontrolle – und behielt sie bis zum Schluss, was Hjulmand freilich freute.

Bayers Coach sprach über die „Intensität“ und das erhöhte Tempo in den Kombinationen. „Der Ball läuft schneller als die Spieler. Damit haben wir St. Pauli große Probleme bereitet“, sagte er und rekapitulierte, dass seine Mannschaft vor dem Remis in Gladbach zwar ebenfalls Spiele gewonnen habe, „aber diese Leistung haben wir nicht gesehen“. Gibt sie nun einen „Push“, wie er hofft? „Wir haben Selbstvertrauen getankt“, meinte Hofmann, formulierte vor dem Play-off-Duell in Piräus allerdings eine Einschränkung.

Hofmanns wichtige Einschränkung vor Piräus

Und die war gar nicht unwesentlich. Mit dem hohen, aggressiven Attackieren, das mutmaßlich wieder von Olympiakos erfolgen wird, musste sich Bayern gegen die erst rund um den Mittelkreis anlaufenden St. Paulianer schließlich nicht herumschlagen. Und Hofmann weiß: „Wenn wir im Eins-gegen-eins hoch gepresst wurden, hatten wir in der Vergangenheit häufiger mal Probleme.“ Sogar große Probleme, das war seit dem Jahreswechsel mehrfach zu begutachten.

Die Partie gegen den völlig unterlegenen FC St. Pauli sei also nicht der „Gradmesser“ für Mittwoch, erklärte Hofmann. Und so bleibt die Frage, wie dieses 4:0 denn nun einzuordnen ist: als ein kurzes Hoch wie das spielerisch ebenfalls überzeugende 3:0 gegen den allerdings gar nicht auf der Höhe agierenden FC Villarreal vor etwas mehr als drei Wochen? Oder doch mehr? „Wir müssen an diese Leistung anschließen“, forderte Rolfes dementsprechend, als er auf die kommende Champions-League-Partie in Piräus vorausblickte.

Weiß sich Bayer in Piräus besser gegen das hohe Anlaufen zu wehren?

„Sie werden hoch pressen und versuchen, hohe Ballgewinne zu haben“, bekräftigte er. „Es wird viel Eins-gegen-eins auf dem Platz gespielt werden.“ Dass mit Maza ein Kreativspieler zurück ist, der mit seinen Aufdrehbewegungen Lücken reißen kann und vor seinem Comeback am Samstag letztmals gegen Villarreal hatte mitwirken können, kommt Bayer gewiss zugute. Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich die Werkself dann schlägt. Weiß sie sich besser zu behaupten als auch beim 0:2 in der Ligaphase gegen Piräus?

Es dürfte von großer Bedeutung sein – für die Partie in Griechenland, aber auch für kommende Duelle. Und davon gibt es noch einige: Falls Leverkusen ins Champions-League-Achtelfinale einziehen sollte, stehen bis zur nächsten Länderspielphase noch zehn Spiele in fünf Wochen an. Zeit, um Karneval zu feiern, besteht da zum Start in diese entscheidende Saisonphase natürlich nicht: „Nein, nein, nein, nein“, sagte Hjulmand und ordnete grinsend „Ruhe“ an. „Essen, schlafen, dann geht es weiter.“

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