Zum Inhalt springen Zur Seitenleiste springen Zur Fußzeile springen

Mit Buttermesser zu den Bayern

Ein Showdown jagt den nächsten bei der TSG: Erst steht das sportliche Highlight beim FC Bayern an, dann eine womöglich entscheidende Gesellschaftersammlung im Machtkampf.

Doppelter Showdown und Bangen um Lemperle

Christian Ilzer liebt solche Spiele, wie sie am Sonntag anstehen. Dann ist „seine“ TSG Hoffenheim beim FC Bayern gefordert (17.30 Uhr, LIVE bei kicker.de). Als „David-gegen-Goliath“-Situation beschreibt der Trainer des Außenseiters die Herausforderung – wobei sich seine Mannschaft als formstärkstes Team der Liga auf Rang drei geschoben hat und sich zumindest für den Moment als Herausforderer auf Augenhöhe wähnen kann.

Personelle Fragezeichen beschäftigen den Trainer

„Wir mischen aktuell in Regionen mit, wo wir Teil einer Schießerei sind, in der wir selbst aber nur mit Buttermessern unterwegs sind“, findet Ilzer einen seiner gerne gebrauchten, bildlichen Vergleiche. Und angesichts der Etathöhen der tabellarischen Konkurrenz um sich herum hat der Österreicher damit natürlich nicht unrecht.

Chancenlos fährt sein Team aber gewiss nicht nach München. Wer Ilzer kennt, weiß, dass der 48-Jährige allein schon aufgrund seiner enormen inneren Motivation penibel genau einen Matchplan ausgefeilt hat, der den Primus vor Probleme stellen kann. Problem für ihn: Noch gibt es personelle Fragezeichen, einige Profis sind noch angeschlagen aus der Union-Partie respektive von einem Magen-Darm-Infekt, der unter der Woche durchs Team ging. Konkret bangt Ilzer um Tim Lemperle, der aus Berlin eine Knöchelblessur davontrug, wie der Coach am Freitag bei der turnusmäßigen Spieltagspressekonferenz verriet.

Der Machtkampf ist endgültig neu befeuert

Bei der es natürlich auch um die Entwicklung abseits des Platzes ging, wo bekanntlich mal wieder der Teufel los war in Hoffenheim. Ein mutmaßlicher Datenschutzverstoß befeuerte den zwischenzeitlich lediglich im Hintergrund glimmenden Machtkampf neu. Zunächst ließ Sportgeschäftsführer Andreas Schicker die interne Hinweisgeberstelle neu und extern vergeben mit Verweis auf potenzielle Interessenkonflikte der beiden Mitarbeiter, die diese Stelle betreuen.

Dies wiederum scheint man e.V.-seitig kritisch zu betrachten, könnte doch die Geschäftsführung selbst von der Untersuchung zum Datenverstoß, der offenkundig mit den Vereinsvorstandswahlen im März zusammenhängt, betroffen sein. Ob diese nun von der alten Kanzlei – mandatiert war Freshfields – zu Ende gebracht worden ist oder nun an die neue Stelle, die LegalTegrity aus Frankfurt/Main, gewandert ist, vermag niemand zu beantworten im Klub.

Hopp steht an der Seite von Sportchef Schicker

Der Interims-e.V.-Vorsitzende Christoph Henssler, der der Ultra-Szene zugerechnet wird, setzte daraufhin eine Gesellschafterversammlung für den Montag an, bei der er Schicker vom Geschäftsführer zum Sportdirektor degradieren hätte wollen. Was der Österreicher, auf dessen Seite sich nun auch Geldgeber Dietmar Hopp öffentlich geschlagen hat, kaum hinnehmen wird. Das untermauerte er am Donnerstag durch die Freistellung der Mitarbeiter, die bis zuletzt für die Hinweisgeberstelle zuständig waren und die ab Montag dann interimistisch die Geschäfte hätten führen sollen, bis am 9. März eine neuer Vereinsvorstand offiziell gewählt ist. Henssler übrigens kann nicht antreten, weil er die satzungstechnischen Voraussetzungen nicht erfüllt. Angeblich bauen sowohl die Kapitalseite als auch die Seite der organisierten Fans Kandidaten auf.

Und als wäre das noch nicht genug, unterschrieb der nur 14 Monate im Kraichgau weilende Tim Jost am Dienstagabend einen Aufhebungsvertrag, obgleich der (nun ehemalige) Marketing-Geschäftsführer noch Ende der vergangenen Woche gegenüber dem kicker betonte, an Gesprächen über eine Trennung sei nichts dran.

„Für uns wichtig: Bei unserer Kernaufgabe bleiben“

Ilzer zeigt sich logischerweise loyal gegenüber Schicker, mit dem er ja bereits bei Sturm Graz sehr erfolgreich zusammengearbeitet hat: „Wir gehen hier einen sehr erfolgreichen Weg und sind aus einer schwierigen Situation gekommen. Andi stellt nicht nur für mich, sondern das gesamte Team die Rahmenbedingungen her, um erfolgreich zu sein. Ich hoffe nicht, dass wir unseren sehr erfolgreichen Weg an der Heimatfront kaputtmachen.“ Der Trainer will den Fokus aber auf den Rasen legen: „Für uns ist es wichtig, bei unserer Kernaufgabe zu bleiben, und das ist, gut Fußball zu spielen.“

Ob er hinwerfe für den Fall einer Abberufung Schickers an diesem Montag, ließ Ilzer offen: „Es kann sein, ich kann nichts ausschließen. Es hängt aber von vielen anderen Faktoren ab, diese Faktoren werde ich hier nicht besprechen.“ Damit stellt sich mehr denn je die Frage, ob es am Montag wirklich zum machtpolitischen Showdown kommt nach dem sportlichen Showdown in München.

Hinterlasse einen Kommentar

0.0/5