Vor dem Spiel in Bremen versprüht Erik ten Hag weder Energie noch Zuversicht. Der intern in der Kritik stehende Trainer muss überzeugende Antworten liefern. Die Frage ist, wie viel Gehör diese noch finden.
Bayer-Trainer muss Antworten liefern
Es ist erst ein Spieltag in der Bundesliga absolviert. Dennoch stehen Bayer 04 und Erik ten Hag am Samstag in Bremen bereits unter Zugzwang. Weil der Werksklub das Auftaktspiel gegen Hoffenheim 1:2 verlor. Und noch viel mehr, weil die Vorstellung eine erschütternde war. Das ist auch dem Trainer bewusst.
Ten Hag spricht vor dem Richtungsspiel in Bremen von „Test“
„Wir müssen vieles besser machen“, sagte der Trainer am Freitag, „und wir haben schon gezeigt, dass wir vieles besser machen können.“ Dann zählte er den 2:0-Sieg bei Zweitligist VfL Bochum und den 2:1-Erfolg gegen Fortuna Sittard aus der Eredivisie in der Vorbereitung auf. Vor allem das Testspiel gegen Pisa, Aufsteiger in die Serie A, habe Bayer in der ersten Hälfte, „sehr kompakt und dynamisch gespielt. Das hat gefehlt gegen Hoffenheim.“ Und auch fast alles andere.
An den beiden genannten Aspekten hat der Niederländer mit seiner Mannschaft gearbeitet in dieser Woche. „Diese Akzente haben wir im Training gesetzt. Wir müssen es morgen umsetzen“, sagt er, „ich freue mich auf den nächsten Test.“ Den nächsten Test? Die Partie in Bremen stellt vielmehr ein entscheidendes Spiel für Bayer 04 und besonders den neuen Trainer dar.
„Druck ist immer da. Wir müssen gewinnen, das ist auch klar.“ (Erik ten Hag)
Dieser „Test“ muss positiv ausfallen, damit die Unruhe nicht noch größer wird. Steht der Trainer doch auch wegen seiner Ansprache und seiner Spielvorbereitung intern in der Kritik. Die Frage ist, wie viel Kredit ten Hag überhaupt noch besitzt. Und was bei einer erneuten Enttäuschung in Bremen, wie auch immer man diese definieren mag, mit dem Trainer passiert.
Ob ein Sieg Pflicht sei, wurde ten Hag gefragt. Die mit einem gequältem Lächeln gesprochene Antwort: „Wir müssen immer siegen. Wir müssen einen Weg finden, um zu gewinnen. Ich bin besonders neugierig, wie das morgen ausgeht.“ Wie alle Beobachter und auch die Bayer-Bosse, bei denen große Zweifel vorhanden sind. Die Situation ist als kritisch einzuordnen.
Ten Hag bemüht schon wieder das Harry-Potter-Zitat wie einst in Manchester
Ten Hag ist sich bewusst, dass er und Bayer liefern müssen. Zumal Werder mit einer stark ersatzgeschwächten Elf auflaufen wird. Ob er Druck spüre? „Druck ist immer da, ja“, antwortet der 55-Jährige, „wir müssen gewinnen, das ist auch klar. Ich habe es schon letzte Woche erklärt: Ich bin kein Harry Potter.“
Schon wieder das Harry-Potter-Zitat, das er bereits vor dem DFB-Pokalspiel in Großaspach bemühte, und das er schon bei Manchester United auspackte, als sich dort der Anfang vom Ende deutlich abzeichnete. Fakt ist: Der Trainer versprühte in der zwölfminütigen Pressekonferenz keinerlei Energie, wirkte eher schnell genervt von Nachfragen, vermittelte den Eindruck, sich schon in einer negativen Endlosschleife zu befinden.
Die Frage ist, wie überzeugend die Antworten ausfallen und inwieweit sie Gehör finden
Klar ist: Die ersten beiden Pflichtspiele unter ten Hag haben aufgrund der Qualität der Darbietungen grundsätzliche Fragen aufgeworfen. Auf diese muss der Trainer vor und mit dem Auftritt in Bremen Antworten liefern. Die Frage ist, wie überzeugend diese ausfallen und inwieweit sie noch Gehör finden.

