Wie wichtig Amoura für den VfL Wolfsburg ist, hat er direkt wieder gezeigt: Sein Tor entschied das Spiel in Heidenheim (3:1) – war es der Abschiedstreffer des Algeriers?
Benfica oder doch noch ein anderer Klub?
Paul Simonis nahm ihn in den Arm, tätschelte noch mal sein Gesicht, gab letzte Anweisungen: Nach etwas mehr als einer Stunde war es an der Zeit für den Wolfsburger Trainer, mit Mohammed Amoura seine schnellste Waffe ins Spiel zu bringen.
Der Algerier war zuletzt wegen Oberschenkelproblemen etwas kürzer getreten, nun aber sollte er den Sieg beim 1. FC Heidenheim nach Hause bringen. Und tat dies in bester Manier: Kurz vor Schluss holte der 25-Jährige den Strafstoß heraus, den er schließlich zum 3:1-Endstand verwandelte. Waren dies seine letzten beiden Scorerpunkte im Trikot des VfL Wolfsburg?
„Ich hoffe, dass Mo bleibt, aber wir werden sehen, was passiert.“ (Wolfsburgs Trainer Paul Simonis hat im Fall Amoura einen Wunsch)
Klare Aussagen gibt es dazu von den VfL-Verantwortlichen rund eine Woche für Ende der Wechselfrist noch nicht. „Man weiß nie, was passiert, wenn das Transferfenster geöffnet ist“, erklärt der Trainer und drückt seinen Wunsch aus: „Ich hoffe, dass Mo bleibt, aber wir werden sehen, was passiert.“
Der Stürmer sendete für Wolfsburg wichtige Signale im Millionen-Poker. Einerseits, dass er fit ist und sich nicht hängen lässt, um einen Abschied zu erzwingen. Andererseits demonstrierte er direkt wieder seine Klasse. Ein Assist und ein Tor zum Saisonauftakt dürften Sebastian Schindzielorz jedenfalls in die Karten spielen.
Benfica: Einig mit Amoura, aber noch nicht mit dem VfL
Der Verhandlungsführer des VfL Wolfsburg wünscht sich bis zu 40 Millionen Euro für den Topscorer der Vorsaison (22 Punkte), Benfica Lissabon versucht noch, diesen Preis zu drücken. Mit Amoura, so heißt es, ist sich der portugiesische Rekordchampion längst handelseinig.
Mit dem VfL hingegen noch nicht: Schindzielorz verweist direkt mal auf den bis 2029 gültigen Kontrakt – ohne Ausstiegsklausel – mit seinem besten Angreifer. „Wir haben einen Arbeitsvertrag und sind ganz entspannt.“ Nicht beantworten kann er jedoch die Frage, ob Amoura auch noch am kommenden Sonntag (15.30 Uhr, LIVE bei kicker) im Heimspiel gegen Mainz zum Wolfsburger Aufgebot zählt.
Deswegen ist Amoura entbehrlich für den VfL
„Ich kann das jetzt nicht beantworten“, so der 46-Jährige. „Was ich sagen kann, ist, dass wir heute auch wieder gesehen haben, dass Mo, wenn er die Räume hat, schwer zu verteidigen ist.“ Was auch zur Wolfsburger Wahrheit gehört: Trainer Simonis will einen dominanten Ballbesitzfußball implementieren, der weitaus weniger Umschaltmomente als noch unter Vorgänger Ralph Hasenhüttl vorsieht. Ein Umstand, der den idealen Konterspieler Amoura entbehrlich macht – wenn der Preis stimmt.
Schindzielorz berichtet von mehreren Interessenten
Und da ist Benfica Lissabon am Zug. Schindzielorz spielt die Karte, dass es nicht nur die Portugiesen sind, die Interesse an seinem Angreifer haben. „Es ist kein Geheimnis, dass es Klubs gibt, die sich mit Mo beschäftigen und dass es da auch Gespräche gab.“ Der Aufruf des Sportdirektors: „Mo ist unser Spieler, wenn irgendjemand ein Interesse hat, ob es Benfica ist oder sonst irgendjemand, der wird sich melden und dann werden wir es dementsprechend auch abarbeiten.“
Der Poker um Amoura, er kann sich noch bis zum Ende der Transferperiode ziehen. „Bis dahin gibt es immer Dinge, die man wenig vorhersehen kann, wo man auf alles vorbereitet sein muss“, erklärt Schindzielorz und schiebt hinterher: „Das sind wir.“ Schließlich will der Manager selbst auch noch tätig werden: Gesucht sind noch ein Rechts- und Innenverteidiger sowie ein Mittelstürmer. Es gibt viel zu tun.
Der Wunsch des Managers: Transferschluss vor dem 1. Spieltag
Am liebsten wäre es dem Wolfsburger Sportchef, wenn zukünftig schon vor Saisonbeginn alles geregelt wäre – dazu bräuchte es aber einen internationalen Konsens: „Ich habe eine klare Meinung dazu und denke, dass die Transferphase vor dem ersten Spiel enden sollte. Es ist aber sehr wichtig, dass wir uns als deutscher Fußball nicht limitieren und das alleine vorziehen. Es wäre wichtig, es für alle gleich zu halten.“
So aber muss Schindzielorz noch bis zum 1. September viele Fragen beantworten. Und eine ganze Reihe an Transfers abwickeln.

