Den Fahrplan im offenen Duell um das HSV-Tor hatte Merlin Polzin im Vorfeld des finalen Tests bei RCD Mallorca (0:2) öffentlich kommuniziert: Daniel Peretz erhält die Partie auf der Insel, Daniel Heuer Fernandes das Pokalspiel in Pirmasens. Ein Fingerzeig?
Kaum Prüfungen im Torwart-Duell, aber ein Lob von Polzin
Aus Hamburgs Trainingslager auf Mallorca berichtet Sebastian Wolff
Die Partie am kommenden Samstag ist der offizielle Pflichtspielauftakt und damit bedeutungsvoll. Aber ist ein Kräftemessen mit einem Oberligisten aussagekräftiger als 90 Testminuten gegen einen spanischen Erstligisten? Der Trainer war am späten Samstagabend im Presseraum des Estadio de Son Moix bemüht, dass sich keine Rückschlüsse aus seiner Spielverteilung ziehen lassen. „Es geht darum, dass beide noch mal die Chance haben, sich über eine längere Spielzeit zu präsentieren“, erklärt Polzin, „danach werden wir es gemeinsam auswerten und eine Entscheidung treffen.“ Klar ist: Torwarttrainer Sven Höh wird bei diesem Prozess eine entscheidende Rolle spielen.
Die Spielverteilung soll keine Rückschlüsse zulassen
Daniel Peretz kassierte am Samstagabend ein kurioses Eigentor durch den als Kapitän aufgebotenen Miro Muheim zum 0:2-Endstand, eine Mitschuld traf den Israeli bei dem als Kopfballrückgabe gedachten Ball nicht. Ernsthafte Gelegenheiten, sich auszuzeichnen hatte er bei vereinzelten „Pflichtübungen“ aus der Distanz keine, im Aufbauspiel, einer großen Stärke seines Rivalen, offenbarte er einige Ungenauigkeiten.
Polzin ordnet den ersten Einsatz der Bayern-Leihgabe über die komplette Spielzeit treffend ein: „Man sieht die Qualität, die er auf der Linie hat. Man sieht aber auch, dass die Abstimmung im Aufbauspiel noch ein bisschen Zeit braucht.“ Die brennende Frage ist: Bekommt Peretz diese Zeit?
Dass er im Sommer nicht nach Genua gewechselt ist, weil er dort offenbar keine ausreichende Aussicht auf Einsätze erhalten hatte, dann aber einer Leihe nach Hamburg zustimmte, war für Außenstehende aus nachvollziehbaren Gründen ein Indiz dafür, dass der 25-Jährige von den Verantwortlichen große Chancen eingeräumt wurden, die Nummer 1 zu werden. Während Daniel Heuer Fernandes sich in der Vorbereitung keine Blöße gab, beim 1:2 bei Sturm Graz aber eine „Sternstunde“ hatte, fehlten Peretz in der Folge die Möglichkeiten, Glanzlichter zu setzen.
Eine Vorentscheidung für den Aufstiegs-Helden deutet Polzin dennoch nicht einmal ansatzweise an. Stattdessen lobt er Peretz für sein gesamtes Auftreten, das auf dem Platz vor allem auch von Lautstärke im Dirigieren geprägt ist. „Er macht einen ruhigen Eindruck, das strahlt er auch auf die Gruppe aus, das gibt er der Mannschaft. Und genau das erwarten wir auch von ihm.“
In welcher Rolle, als Nummer 1 oder Herausforderer, Peretz sich in die Mannschaft einbringen soll, wird final erst nach dem Pflichtspielstart in Pirmasens entschieden. Bis dahin soll das heißeste Duell dieses HSV-Sommers weitergehen. „Wir haben im Tor einen guten Konkurrenzkampf“, urteilt der Chefcoach, „ich bin sehr froh, dass sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen batteln.“

