Beim 2:0-Testspielsieg in Bochum läuft Jarell Quansah erstmals im Bayer-Trikot auf. Die ersten Eindrücke vom neuen Innenverteidiger sind positiv.
Innenverteidiger zeigt sich defensiv, aber auch offensiv
Der minimale Vorsprung brachte ihm schlussendlich gar nichts. Moritz Broschinski preschte zwar los, und Bochums Angreifer verfügt bekanntermaßen über eine gute Geschwindigkeit. Bayers Neuzugang Jarell Quansah allerdings konnte Broschinski in dieser 20. Minute nicht abschütteln. Quansah schloss zu ihm auf, und als der VfL-Stürmer den – zugegeben recht kompliziert zu kontrollierenden – langen Ball hinter die Abwehrkette nicht sofort sichern konnte, war die Kugel auch schon weg. Quansah schnappte sie sich, beruhigte das Spiel anschließend mit einem Pass auf Torhüter Mark Flekken.
Beim 2:0-Testspielsieg an der Castroper Straße feierte Leverkusens neuer Innenverteidiger am Sonntag ein vielversprechendes Debüt. Defensiv zeigte er in einigen Szenen seine Zweikampfhärte und sein Tempo – und schaltete sich offensiv zudem in einigen Szenen gewinnbringend ein. Gleich in der 3. Minute etwa dribbelte er an, trieb den Ball nach vorn und leitete mit seinem Pass auf Arthur eine Chance für Patrik Schick ein. Wohlgemerkt von seiner Position halbrechts in der Dreierkette, die er bislang noch nicht so oft bespielte. Beim FC Liverpool wurde der englische U-21-Europameister jedenfalls vor allem als Innenverteidiger in einer Viererreihe eingesetzt.
Quansah fügt sich gut ein und erhält Lob
„Ich habe für eine kurze Zeit bei der U 19 von England in diesem System gespielt und kam gut damit zurecht“, sagte Quansah nach der Partie beim VfL. „Ich kann zum Beispiel meine Stärken im Ballvortrag einbringen. Natürlich braucht es etwas Zeit, sich daran zu gewöhnen, aber ich fühle mich wohl, egal wo der Trainer mich aufstellt“, ergänzte der 1,90 Meter große Abwehrmann, der unter sein erstes Spiel im Bayer-Dress recht zufrieden einen Haken setzte: „Ich denke, insgesamt war das okay. Aber es gibt immer Sachen, die ich verbessern kann, doch das kommt mit zunehmender Fitness und weiteren gemeinsamen Spielen.“
Mittelfeldspieler Jonas Hofmann, in Bochum Torschütze des 1:0, sagte: „Ich habe ihn größtenteils souverän gesehen. Er strahlt Ruhe am Ball aus, und das ist genau das, was wir brauchen. Im Spielaufbau hat er eine gute Übersicht bewiesen. Ich glaube, das war auch für ihn ein erster guter Test.“ Quansah werde sich zügig an Bayers Dreierkette gewöhnen. „Er ist ein cleverer Spieler, deshalb wird er das schnell hinbekommen“, so Hofmann. Wohl wissend, dass die Dreierreihe längst nicht in Stein gemeißelt ist.
Egal aber, in welcher Kettenform sich Quansah zuletzt befand: Der 35 Millionen Euro teure Neuzugang erbrachte erste Nachweise seiner Klasse. Nach einer Einheit im Trainingslager in Brasilien, in der er in einer Aktion – ähnlich wie nun gegen Bochums Broschinski – mit schnellen Schritten nach hinten eilte, meinte Geschäftsführer Simon Rolfes: „Er hat eine hohe Geschwindigkeit, kann einen Stürmer damit auch mal abfangen. Er hat ein sehr gutes Passspiel, kann auch mal ins Mittelfeld reingehen, aber auch tief verteidigen“ – mit seiner Zweikampfstärke und mit seiner Präsenz, die zudem bei Standardsituationen von Bedeutung werden könnten.
Quansah trägt Tahs Nummer 4
Kurzum: Quansah kann schon ziemlich viel. „Ich denke, dass ich von allem ein bisschen beherrsche“, erklärte der Neuzugang selbst bei seiner Vorstellung in Rio de Janeiro. „Manchmal liebe ich es, aggressiv zu spielen und harte Zweikämpfe zu führen, manchmal bin ich eher ruhig und überlegt am Ball. Ich kann mich in die Entwicklung des Spiels einbringen, habe auch viel von den Schlüsselspielerin in Liverpool gelernt.“ Nicht zuletzt von Virgil van Dijk, Liverpools Weltklasse-Innenverteidiger, dem Quansah bei den Reds aus nächster Nähe zusehen konnte.
Bayer-Abwehrkollege Edmond Tapsoba meinte vor ein paar Tagen, als er auf Quansah angesprochen wurde: „Ich kannte ihn schon vorher, habe ein paar Spiele von Liverpool gesehen“. Er sei „ein sehr guter Spieler, gut mit dem Ball, aggressiv und kopfballstark“, so Tapsoba. Dass der 22-Jährige Jonathan Tahs Nummer 4 trage, habe derweil nichts zu bedeuten. „Er trägt die Nummer 4 von Jona, aber er ist ein anderer Mensch.“ Einer, der seine eigene Geschichte bei Bayer schreiben muss. Immerhin: In Bochum startete sie schon mal ganz vielversprechend.

